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KreativitÀÀt, Kunst, also Gedanken, Ideen, GefÀGÀhle, sein Herz auf verschiedenste Weise mit den Elementen unserer Welt zum Ausdruck zu bringen und so gestalterisch im Leben zu wirken, ist ein Grund¬bedÀGÀrfnis des Menschen. Sehr oft wird das zu einem inneren Drang, zu einem Auftrag, der aus der Tiefe des Sein aufzusteigen scheint. So schreibt der reife Michelangelo in einem seiner Sonette: "Ich nÀÀhr mich nur von dem, was glÀGÀht und brennt, und leb von dem, wor¬an die andern sterben." An Kindern und jenen, die die sich noch mit 85 Jahren ein jugendliches Herz bewahr haben, lÀÀÀÀt sich dieser Drang, spiele¬risch zu gestalten und gestal¬te­risch zu spielen und dies auch und vor allem um andere zu erfreuen, sehr leicht fest¬stellen. Als unsere kleine Tochter mit Masern ans Bett ge¬fesselt war, mal¬te die ÀÀltere ihr zum Trost und zur Freude ein šBild, es hÀÀngt im Ne¬ben¬raum, jenes mit dem Segelboot und dem Wun¬dervogel. Wer je die MÀ?Àglichkeit hatte, in LÀÀnder zu reisen, die šdurch lange Zeit hindurch von kriegerischen Auseinanderset­zungen verschont geblieben waren, wird festgestellt haben, daÀÀ die Kunst in jener Zeit zu hoher BlÀGÀte ge¬šlang¬te. Sobald Angst und Sorge um das physische Leben ÀGÀberwunden sind, wenn wir ein Dach ÀGÀber dem Kopf und ein Steak auf dem Teller ha¬ben, beginnen wir im allgemeinen zu entdecken, was unsere Aufgabe ist: schÀ?Àpfe¬šrisch zu sein. Der Deutsche Architekt und BegrÀGÀnder des Bauhauses, Walter Gropi¬us, stellte in einer Rede die Frage: "War der SchÀ?Àpfer der Rose ein Techniker oder ein KÀGÀnstler? Er war beides: Auf dem Boden von Strukturen schafft er SchÀ?Ànheit. Wir ent­decken in der Rose wie in der gesamten SchÀ?Àpfung Ordnung und SchÀ?Ànheit in vollendeter Harmo¬nie. Nur der Mensch šscheint hier eine unrÀGÀhmliche Ausnahme zu ma¬chen. Er ist ein gespaltenes Wesen und sein Antlitz taucht im FluÀÀ derÔ81 2 2 2Ô Geschichte immer wieder mit ZÀGÀgen des Hasses und der Gier auf. Und doch: Nur der Mensch hat in der gesamten SchÀ?Àpfung eine ein¬zigartige Stellung: Er ist mitverantwortlich bei der Gestaltung dieser Welt. Und diese Verantwortung kann uns niemand abnehmen. Sie beginnt mit der Gestaltung und For­mung unseres eigenen Charak¬ters, endet aber dort nicht. Der deutsche Schriftsteller Hans Carossa berichtet in einem seiner ReisetagebÀGÀcher von einer Begegnung mit einem GÀÀrt­ner in der Bre¬tagne. Noch nie hatte Carossa auf seinen aus­gedehnten Reisen so schÀ?Àne Blumen gesehen. Auf die Frage an den GÀÀrtner, wie er das wohl anstelle, so wunderbare Blumen zu zÀGÀchten, erhielt er zur Antwort: "Ich will es ihnen ger­ne sagen, aber sie dÀGÀrfen mich šnicht auslachen: Ich rede jeden Tag mit meinen Blumen." Dort, wo der Mensch sein Herz, sein Innerstes, das gÀ?Àttli­che Feu¬er, das in uns allen mehr oder minder verborgen šwohnt, investiert, beginnt Leben, SchÀ?Ànheit. Dieses Feuer aus WÀÀrme und Licht, aus Liebe und Wahrheit sollte ÀGÀberall auf dieser Welt, in uns und um uns brennen. Wenn Wahrheit und Liebe eine Einheit bilden, kÀ?Ànnen wir alle an der Mitg­vestaltung dieser wunderbaren SchÀ?Àpfung teil¬nehmen. Aber erleben wir nicht heute vor unserer HaustÀGÀre wiederum die Perversion aller KreativitÀÀt? Seit Menschgedenken haben wir un¬šwahrscheinlich viel Kraft aufgewendet um Systeme und Methoden zu entwickeln, die ausschlieÀÀlich dazu gedient haben und dienen, an¬dere zu tÀ?Àten, zu zerstÀ?Àren, zu unter­jochen. Wir spÀGÀren in uns selbst, daÀÀ es dem Zweck unseres Daseins widerspricht, andere zu beherrschen und in egoisti­scher Weise auszunÀGÀtzen. Wir wollen uns in Freiheit entfal­ten kÀ?Ànnen, und dieses Recht mÀGÀssen wir allen anderen nicht nur zugestehen sondern auch ermÀ?Àglichen. Auch der KÀGÀnstler beansprucht fÀGÀr sich Freiheit, denn nur so kann er schÀ?Àp­ferisch wirken. Freiheit bedeutet nicht, daÀÀ wir uns an keinerlei GesetzmÀÀÀÀigkeit zu halten hÀÀtten. Das wÀÀre ZÀGÀgel­losigkeit, deren Auswirkungen wir zur GenÀGÀge in allen Ge­sellschaftsschichten ken¬nen. Nur wer jene Gesetze, die dem Leben, dem Kosmos imma¬nent šsind, kennt und sie ganz selbst­verstÀÀndlich anwendet, kann wirk¬lich kreativ sein. Die šSchÀ?Àpfung ohne Naturgesetze wÀÀre, um hier die hebrÀÀischen Worte der Genesis zu verwenden, ein heilloses Tohu va Bohu. ZÀGÀgellosigkeit fÀGÀhrt zu Entartung und DestruktivitÀÀt. Wenn ich hier von Freiheit spreche, dann meine ich FreiheitÔ81 2 2 2Ô ÀGÀber¬haupt. Freiheit ist nicht portionierbar, teilbar. Ent­weder bin ich frei, oder ich bin es nicht. Eine Zwischen­mÀ?Àglichkeit ist nicht denkbar. Man kann nicht ein bischen Freiheit gewÀÀren. Ich kann mir zwar einbilden frei zu sein, muÀÀ es aber notwen¬digerweise nicht sein. Das grÀ?ÀÀÀte GefÀÀngnis, in dem wir uns heute befinden, auch nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Macht¬bereiches, ist das GefÀÀng¬nis des Egoismus. Als John F. Kennedy PrÀÀsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde, sagte er in seiner Inaugurationsrede unter anderem: "Als BÀGÀrger dieses Landes sollten wir nicht fragen, was tut Ameri¬ka fÀGÀr mich, sondern was tue ich fÀGÀr Amerika. Als Ame­rikaner soll¬ten wir nicht fragen, was tut die Welt fÀGÀr Ame­rika, sondern was tut Amerika fÀGÀr die Welt." Nichts und Niemand ist in dieser wunderbaren Welt fÀGÀr sich selbst geschaffen. Alles ist dazu da, um einem hÀ?Àheren šZweck in Freude zu dienen. WÀGÀrde keine Mensch, verehrte Damen und Herren ihre, Bil¬der, Skulpturen, GemÀÀlde und Ob­jekte anschauen und bewundern und letztlich auch kaufen, wÀGÀr¬den sie frÀGÀher oder spÀÀter aufhÀ?Àren, etwas zu produzie­ren. Ein Mensch, und soferne er kreativ ist, ist jeder šMensch ein KÀGÀnstler, dient mit seinem Leben und was er dar­in tut, nicht vorrangig sich selbst, sondern anderen. Er macht Freu¬de, bringt GlÀGÀck, regt zum Nachdenken an, rÀGÀttel auf, stellt klar und manches andere mehr. Aber seine Werke mÀGÀssen andere zu Gesicht bekommen, hÀ?Àren, sehen greifen, begreifen kÀ?Ànnen. Aus diesem Grund bemÀGÀhen wir uns seit 13 Jahren, und hier tatsÀÀch¬lich seit Beginn dieser Initiative bis zum heutigen Tag Dietlind Bauch, die MÀ?Àglichkeiten diese Hauses zu nÀGÀt­zen, und KÀGÀnstler in diesem Sinn hier mit ihren Werken zu­sammen zu fÀGÀhren. Durch dise Werke haben wir die MÀ?Àglich­keit etwas von der PersÀ?Ànlichkeit des Schaffenden zu erfÀGÀh­len. Wer hier hereinkommt, der geht nicht mehr als der hinaus, als der er gekommen ist. Er nimmt etwas von dem hier herr­schenden Geist mit, er ist sozusagen begeistert. Wer jemals eine Ausstellung arrangiert hat, weiÀÀ, wieviel vorbe¬reitende Arbeit, wieviel Organisation, handwerkliches Geschick und Einsatz rund um die Uhr nÀ?Àtig sind, um so et­was auf die Beine zu stellen. Das, was wir damit bezwecken, lÀÀÀÀt sich aus dem Namen Vereiniung herauslesen. Wir wollenÔ81 2 2 2Ô damit eine Verbindung zwischen KÀGÀnstlern untereinander und zwischen KÀGÀnstler und Betrachter her¬stellen. In diesem Jahr werden die Spenden der Ausstellungsbesucher, die ja wie immer freien Zutritt haben, den Betroffenen des "Balkankrie¬ges", unseren Nachbarn in Not zur VerfÀGÀgung ge­stellt. Eine besondere Gelegenheit mÀ?Àchte ich nicht unerwÀÀhnt las­sen: Un¬ser jÀGÀngster Aussteller ist heut auf den Tag genau 85 Jahre alt: Eduard HÀÀnggi. Ich mÀ?Àchte ihm hiermit alles Gute wÀGÀnschen und bitte Sie um einen krÀÀftigen Applaus. Und jetzt sind Sie eingeladen, einen Rundgang durch diese Gemeinschaftsausstellung zu machen. Ich mÀ?Àchte Frau Meren bitten, anzufangen und einige Worte zu ihrem Schaffensbe­reich zu sagen.